Onlineartikel -

Mit Bildung gegen die Armut Ein afrikanisches Märchen

Der Lapp-Mitarbeiter Désiré Kope stammt von der Elfenbeinküste. Jahrelang sparte er einen Teil seines Verdienstes als Lagerarbeiter, um in seiner Heimat eine Schule zu gründen. Trotz drohender Hindernisse wurde die Einweihung ein voller Erfolg.

Es war einmal ein junger Mann aus dem afrikanischen Land Elfenbeinküste. Er hieß Désiré Kope und wurde Ende der 1950er in einer Provinzstadt namens Gagnoa geboren, viele Stunden entfernt von der ivorischen Hauptstadt Abidjan. In Gagnoa waren die Menschen sehr, sehr arm. Nur in wenigen Hütten, die oft lediglich aus vier Lehmwänden und einem Dach aus Schilfgras bestanden, gab es Strom. Dennoch gehörte auch eine Schule zu dem Dorf und Désiré hatte das Glück, diese besuchen zu können. Sie war nicht besonders groß. Auf einer Schulbank saßen oft fünf Kinder, obwohl sie nur für zwei gedacht war. Doch Désiré lernte viel und gerne, er war ein guter Schüler. Und weil er schon damals gut erklären konnte, entschloss er sich dazu, nach der Schule selbst Lehrer zu werden.

Vom Grundschullehrer in Abidjan zum Lagerarbeiter in Ludwigsburg

Als Grundschullehrer in Abidjan kam er einigermaßen über die Runden, aber er hatte sich mehr vom Leben erhofft. Eines Tages entschied er deshalb, sein Glück in Europa zu suchen. Ein entfernter Verwandter hatte ihm berichtet, dass Deutschland ein guter Ort zum Leben sei, und so stieg Désiré Kope im Jahre 1996 in ein Flugzeug Richtung Deutschland.

Er strandete in Ludwigsburg. Zwar sprach Kope fließend Französisch, die offizielle Amtssprache der Elfenbeinküste, aber kaum ein Wort Deutsch. Immerhin reichte es für ein höfliches „Verzeihung, Madame“, als er auf dem Weg zum Bahnhof mit der Frau zusammenstieß, die heute seine Ehefrau ist. Er kannte sie nicht, sie kannte ihn nicht, aber sie waren sich auf Anhieb sympathisch. Ihr gefiel vor allem die höfliche Art, mit der er sich entschuldigte, sagt sie heute. Da Kope sie wiedersehen wollte, gab er ihr seine Telefonnummer – sie ließ sich über eine Woche Zeit, bevor sie ihn anrief. Sie trafen sich, zunächst zu dritt, mit einer Freundin von ihr, die besser französisch sprach. Es blieb nicht bei dem einen Treffen, aus Sympathie wurde Liebe, und ein Jahr später heirateten die beiden.

Auf eine Zeitungsanzeige in der Ludwigsburger Kreiszeitung bewarb sich Désiré Kope als Lagerarbeiter bei der Firma Lapp. Renate Kope formulierte das Bewerbungsschreiben für ihren Mann, der noch nicht gut Deutsch sprach. Désiré Kope wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, machte den Gabelstaplerführerschein und hatte bald darauf einen Arbeitsplatz, der ihm ein gutes Leben im Land seiner Träume ermöglichte ( Bild 1 ).

Eine Idee reift heran

Für Renate Kope war das Hochzeitsfest in Abidjan so ziemlich das eindrucksvollste Fest ihres Lebens. Die Musik, die Tänze, das Essen. Fasziniert von der Gastfreundschaft der Menschen, aber auch schockiert von der Armut, sprach sie mit ihrem Mann zuhause noch lange darüber, was aus den Kindern, die dort aufwuchsen einmal werden sollte. Viele, das wussten sie, würden ihr Land verlassen, weil es ihnen keine Perspektive bot, so wie es auch Kope selbst gemacht hatte. „Wenn ich sehe, wie die jungen Leute weggehen, ihre Heimat verlassen, Gefahren auf sich nehmen – das macht mich kaputt, da muss ich etwas tun”, sagt Kope. So wuchs allmählich die Idee, mit den Ersparnissen vom Lohn als Lagerarbeiter bei Lapp eine Schule in Afrika zu gründen.

2016 war es so weit. Désiré Kope war zuvor mehrmals in seine Heimat gereist, hatte mit Lokalpolitikern und der Schulbehörde seine Pläne diskutiert und schließlich hatte er ein passendes Grundstück gefunden: 4000 Quadratmeter groß, eine ehemalige Kakaoplantage am Ortsrand von Galebre, dem Nachbarort seiner Heimatstadt. Hier sollte die neue Schule entstehen – ein Collège wie es auf Französisch heißt, vergleichbar mit einer Realschule in Deutschland.

Doch auch in der Elfenbeinküste sind Grund und Boden nicht billig, vom Bau der Gebäude ganz zu schweigen. Kope und seine Frau mussten einen Kredit aufnehmen, aber die Idee war es ihnen wert. Vielleicht, so die Hoffnung von Désiré Kope, würde ja der Mann, dem er seinen Job als Lagerarbeiter letztlich verdankte, noch etwas beisteuern: Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG.

Kope bat um einen Termin bei Andreas Lapp und als es soweit war, holte seine Frau den dunkelblauen Anzug aus dem Schrank und bügelte ihn nochmals. Für das Gespräch hatte er sich einen kleinen Trick ausgedacht. Er wollte die neue Schule ‚Collège Andreas Lapp‘ nennen, denn schließlich verdankte er der Firma das Geld, mit dem er den Grundstein legte. Als Lapp hörte, dass die Schule nach ihm benannt werden solle, schmunzelte er in sich hinein, weil er den Trick durchschaute. Trotzdem fand er die Idee großartig, dass ein Mitarbeiter mit dem in Deutschland verdienten Geld den Menschen in seinem Heimatland helfen wollte. „Dass die Schule nach mir benannt werden sollte, gab nicht den Ausschlag, dass ich dieses Projekt finanziell unterstützte“, sagt Lapp. „Es ist einfach eine tolle Idee und Herrn Kopes Engagement muss man einfach fördern.“

Das Märchen wird Wirklichkeit

Anfang Oktober 2019 fand die Einweihung der Schule statt. Désiré Kope hatte schon zwei Wochen vorher Urlaub genommen und war nach Galebre gereist, um bei der Vorbereitung zu helfen.

Montag, 7. Oktober, der vielleicht wichtigste Tag in Désiré Kopes Leben: Noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen ( Bild 2), noch fehlt es an Büchern und an Lehrmaterial, noch sieht der Schulhof aus wie eine Wüste aus Sand und roter Lehmerde. Kope rennt fortwährend von einem Ende des Schulgebäudes zum anderen, ruft den Bauarbeitern Anweisungen zu und scheint einem Herzinfarkt nahe. Pausenlos wischt er sich mit einer Packung Kleenex den Schweiß von der Stirn. Denn Andreas Lapp hat die Einladung zur Einweihung angenommen.

Von Abidjan war Andreas Lapp am Montagmorgen mit einem Fahrer in Richtung Galebre aufgebrochen. Mindestens vier Stunden dauert die Fahrt auf teilweise schlechten Straßen von der Hauptstadt in die abgelegene Provinz. Als Lapp schließlich die ersten Hütten von Galebre erreicht, geschieht etwas Ungewöhnliches: Mehrere Dutzend Jugendliche springen vom Straßenrand auf, schwingen sich auf ihre Mopeds und umkreisen hupend und schreiend das ankommende Fahrzeug. Alle tragen T-Shirts, auf die ein Foto von Lapp gedruckt ist, sowie die Aufschrift: Bienvenue Mr. Andreas Lapp à Galebre. Wie ein wildgewordener Bienenschwarm jagt die Mopedescorte hinter, vor und neben Lapps Wagen die staubige Straße entlang bis zur Schule. Dort wartet am Eingang zum Gelände Kore Zadi Bernard in einem festlichen Gewand, das ihn als Häuptling, Dorfältesten oder ‚Chef du Village‘ zu erkennen gibt. In den Händen hält er Symbole der Gastfreundschaft: eine Kakaofrucht und ein lebendiges Huhn.

Mehrere hundert Menschen sind zur Einweihung gekommen ( Bild 3). Es gibt Reden, Musik, Tänze und Rituale. Andreas Lapp, der vom Chef du Village in einer symbolischen Krönung zum Häuptling ehrenhalber ernannt wird ( Titelbild), klettert auf ein provisorisch gezimmertes Podest, nimmt das Mikrofon und wendet den versammelten Honoratioren erst einmal den Rücken zu. Er spricht zu den Jugendlichen, die hinter ihm sitzen: „Denn um euch geht es hier. Euch gehört die Zukunft und ihr werdet einmal in diesem Land, auf diesem Kontinent, auf dieser Welt entscheiden, wie es weitergeht.“ Darum habe er das Schulprojekt sehr gerne unterstützt und werde das auch in den kommenden Jahren tun, „weil einer aus eurer Mitte die Idee dazu hatte.“

Die ersten 35 Schüler sind bereits im Collège Andreas Lapp aufgenommen, weitere werden folgen. Auch das Lehrerteam um Direktor Kouassi Brou Rodrigue steht fest. Eine der Schülerinnen ist Florence, 18 Jahre alt und etwas eingeschüchtert von dem großen Rummel an ihrer neuen Schule ( Bild 4). Leise sagt sie: „Ich möchte einmal Ärztin werden oder zumindest Krankenschwester. Dafür brauche ich einen guten Abschluss und freue mich schon darauf, dass es bald mit dem Unterricht richtig losgeht.“ Auf der Rückfahrt nach Abidjan sagt Andreas Lapp: „Ich hoffe sehr, dass sich die Lebensträume dieser Schüler im eigenen Land verwirklichen lassen.“

Désiré Kope liegt zur selben Zeit erschöpft auf einem Bett in Galebre. Alles ist gut gegangen, sogar das drohende Gewitter hat sich kurz vor der Feier verzogen. Als wäre ihm ein gigantischer Felsbrocken vom Herz gefallen, so erleichtert fühlt er sich jetzt und weiß gleichzeitig, dass erst alles anfängt. „Ich werde noch ein paar Jahre bei Lapp in Ludwigsburg arbeiten, aber eines Tages, wenn ich Rentner bin, werde ich nach Galebre zurückkehren und mich ganz um die Schule kümmern.“

U.I. Lapp GmbH,
Schulze-Delitzsch-Straße 25,
70565 Stuttgart,
Tel. 0711 7838-01,
Fax 0711 7838-2640,
E-Mail info@lappkabel.de,
www.lappkabel.de
Wenn Träume wahr werden. Désiré Kope stammt aus einer armen Provinzstadt der Elfenbeinküste. Mit Ende 30 kam er nach Deutschland und fand einen Job als Lagerarbeiter bei Lapp. Jahrelang sparte er einen Teil seines Lohns, um damit in seiner Heimat den Bau einer Schule zu finanzieren. Mithilfe eines Kredits und der Unterstützung von Firmeninhaber Andreas Lapp, gelang es Kope, ein Grundstück zu erwerben und darauf ein Schulgebäude errichten zu lassen. Im Oktober 2019 fand in Anwesenheit von Andreas Lapp und hunderten Dorfbewohnern die Einweihung des Collège Andreas Lapp statt.
Weitere Downloads zu diesem Artikel
Firmeninformationen
Weitere Beiträge zum Thema Onlineartikel
Alle Artikel des Ressorts
© elektronikinformationen.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten