Editorial -

Erneuerung aus dem Mittelstand

Wie funktioniert Innovation, und wie kommt sie ins Unternehmen? Diesem Thema hat der Stutt­garter Kabelhersteller Lapp seine 20. Fachpressetage gewidmet, die Anfang Juni in den LaunchLabs Berlin stattfanden. Das mittelständische Familienunternehmen definiert die Fähigkeit, innovativ zu sein, als einen seiner Grundwerte, wie Georg Stawowy, Vorstand Technik und Innovation der Lapp Holding, erklärt. Um diese Kompetenz zu wahren und auszubauen, um eine eigene Innovationskultur zu etablieren, hat Lapp besondere Instanzen wie Technologieradar und -beirat geschaffen sowie einen Innovation-for-Future-Prozess, dessen Ziel es ist, mindestens einmal jährlich eine wirkliche Neuerung in den Markt zu bringen.

Innovation resultiert nicht allein aus Kreativität, meint Stawowy, sondern vielmehr aus einer Kombination von Träumen und Machen. Wichtig ist es auch, die beiden oft widersprüchlichen Schlüsselparameter Flexibilität – wie in einem Start-up – und Effizienz miteinander zu vereinen. Hilfreich ist dabei die sogenannte Ambidextrie, im ursprünglichen Sinn Beidhändigkeit. Sie bezeichnet die Fähigkeit von Organisationen, in gleichem Maß forschen und ihr wirtschaftliches Potenzial ausschöpfen zu können. Dies wiederum ist eine Voraussetzung, um ein Unternehmen für viele Produktideen offen zu halten. Laut Stawowy ist die Kompetenz der Ambidextrie bei Lapp verankert.

Entwicklungsleiter Guido Ege veranschaulicht den Lapp-eigenen Innovationsprozess anhand von Projektbeispielen, darunter eine Technologie für cloudgestütztes Markieren. Dabei hatten die Beteiligten angesichts einer Vielfalt interessanter Optionen zunächst deren technische Realisierbarkeit aus den Augen verloren, sodass die Entwicklung im ersten Anlauf fehlschlug. Wer innovieren will, muss jedoch auch das Scheitern tolerieren, wie Georg Stawowy betont: Innovation heißt immer auch viel Reibung und sogar Verschwendung, bis eine Neuerung tatsächlich marktreif ist. Lapps Technologiebeirat Professor Wilhelm Bauer vom Fraunhofer IAO in Stuttgart bekräftigt diesen Standpunkt: Denn vor allem der radikale Bruch mit dem Alten und Etablierten bietet die Chance auf disruptive Veränderungen. Und darum gibt es das Next Big Thing niemals ohne Risiko.

Disruptive Ideen und Mut zum Risiko wünscht

Dr. Matthias Laasch

Chefredakteur

matthias.laasch@at-fachverlag.de

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