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FBDi: Bauelementedistribution schrumpft um 22 %

Der Covid-19-Lockdown in Deutschland, der weite Teile der Industrieproduktion seit April lahmlegte, hat tiefe Spuren in der Auftrags- und Umsatzentwicklung der deutschen Bauelementedistribution hinterlassen. Der Umsatz der im Fachverband FBDi organisierten Distributionsunternehmen ging um 22 % auf 682 Millionen Euro zurück. Die Auftragslage entwickelte sich ähnlich negativ: um -13 % auf 643 Millionen Euro. Die Book-to-Bill-Rate sank mit 0,94 wieder auf das Niveau von 2019.

Auf Produktebene stechen vor allem die -29 % bei den passiven Bauelementen hervor, die gegenüber Halbleitern (-17,8 %) und Elektromechanik (-12,6 %) weiter an Boden verloren. FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Nach den Ereignissen der letzten Monate ist dieser Einbruch nicht überraschend. Viele Kunden haben ihre Aufträge verschoben, die Lage in der Supply-Chain ist nicht sehr transparent, es fehlen nach wie vor Transportkapazitäten aus Asien. Wir gehen davon aus, dass nach der Sommerpause eine Art Reset oder Bestandsaufnahme erfolgt und damit eine Neubewertung des künftigen Bedarfs an Bauelementen. Daran wird auch die positive Entwicklung in manchen Produktionsbereichen in Asien nichts ändern.“

Interessanterweise habe sich die psychologische Situation gedreht und verlaufe entgegengesetzt zur realen Entwicklung, so Steinberger: „Während die IWF-Prognosen für das Jahr 2020 von einem Minus von 7,5 % in der Wirtschaftsleistung in Europa ausgehen – Deutschland liegt bei -7 % –, hat sich die Stimmung in der Wirtschaft gedreht. Die von IHS Markit veröffentlichten Production & Manufacturing Indices stiegen in ganz Europa auf teils deutlich über den Wert 50, was Hoffnung auf Wachstum bedeutet. Sollte sich die positive Stimmung in Wachstum in der zweiten Jahreshälfte verwandeln, steht auch der Bauelemente-Distribution ein interessanter Herbst bevor.“

Allerdings fehlt aus FBDi-Sicht nach Meinung von Steinberger der Anreiz aus der Politik, um Technik zur gesellschaftlichen Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu nutzen: „Wir wissen, dass Technologie nicht alles kann … Wir wissen auch, dass Technologie ihre eigenen Herausforderungen wie Elektronikschrott, Konfliktmineralien und dergleichen hat, an denen wir arbeiten müssen. Was wir uns jedoch wünschen, ist, dass in einer Zeit, in der Abermilliarden von Euro zur Rettung von allen möglichen Wirtschaftszweigen ausgegeben werden, wenigstens Innovationsimpulse gesetzt werden, um unser Land nachhaltiger, digitaler und klimaneutraler zu gestalten.“

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